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Montag, Mai 08, 2006

In Neuseddin (Potsdam-Mittelmark) wurde auf dem Friedhof 1947 ein Findling
aufgestellt, der die Inschrift trug:
„HIER RUHEN / 36 FREMDARBEITER VERSCHIEDENER NATIONEN / APRIL 1945“.
Hier wurde noch der in der Nazizeit übliche Terminus „Fremdarbeiter“ benutzt.Tatsächlich war die Zahl der hier beigesetzten ausländischen Opfer des Nationalsozialismus höher. Sie wurde viele Jahre lang mit 57 angegeben, ist aber nicht genau festzustellen, weil es Umbettungen gab und weil viele der hier in einem Massengrab Beerdigten nie in Neuseddin registriert waren. Neben Zwangsarbeitern, die hier in einem Lager der Reichsbahn zur Arbeit eingesetzt waren, wurden auch KZ-Häftlinge aus einem Transportzug beigesetzt, der am 20. 4. 1945 am Rangierbahnhof Seddin in einen Bombenangriff geraten war. Die Toten waren vor allem jüdische Frauen.
Auch drei später exhumierte amerikanische Piloten sind hier beigesetzt worden.
An dem Massengrab steht ein Kreuz aus Blechrohren. In den siebziger Jahren wurde der Findling gegen einen großen Gedenkstein ausgetauscht, auf dem steht:
„ZUM EHRENDEN / GEDENKEN DEN OPFERN / DER FASCHISTISCHEN / BARBAREI / HIER RUHEN / SOWJETISCHE KRIEGS- / GEFANGENE, JÜDISCHE / FRAUEN
UND MÄDCHEN, / ZWANGSARBEITER VERSCHIEDNER NATIONEN“.

Die Grabanlage wurde im Jahre 2000 gärtnerisch neu gestaltet. Allerdings fiel niemandem auf, dass ein Kreuz nicht das passende Gedenkzeichen für ein Massengrab ist, in dem vor allem Jüdinnen liegen.
Auf dem Friedhof von Neuseddin gibt es noch ein Einzelgrab, an dem sich eine Kunststofftafel mit der Inschrift befindet: „ZIVILIST TICHON JEFIMOFF/ GEB. AM 16.6.1899/ GESTORBEN AM 20. 10. 44“.
In Beelitz (Potsdam-Mittelmark) gibt es an der Straße in Richtung Beelitz-Heilstätten seit 1947 einen sowjetischen Soldatenfriedhof, auf dem über 800 Menschen beigesetzt wurden, neben gefallenen Soldaten auch sowjetische Zwangsarbeiterinnen und Kinder.
Außerdem gibt es auf diesem Friedhof an einem eingefassten Gemeinschaftsgrab in Form eines Sowjetsterns eine liegende Tafel, auf der die Inschrift in russischer Sprache zu lesen ist: „HIER SIND 23 UNBEKANNTE SOWJETISCHE MÄDCHEN BEIGESETZT, / DIE VON DEUTSCHEN FASCHISTEN GRAUSAM ZU TODE GEQUÄLT WURDEN“.
Die jungen Frauen gehörten mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Häftlingstransport, der am 20. 4. 1945 am Rangierbahnhof Seddin in einen Bombenangriff geraten war. Einige Frauen kamen dabei um, andere flohen in den Wald, wo sie erschossen wurden. Etwa 25 Frauen aus diesem Transport sollen im Wehrmachts-Lazarett Beelitz-Heilstätten verstorben sein. Es sollen nicht nur sowjetische jüdische
Frauen, sondern auch polnische Jüdinnen aus Lodz gewesen sein, die in der Rüstungsindustrie in einem Außenlager des KZ Buchenwald gearbeitet hatten. Nach spärlichen Quellen waren die Jüdinnen zunächst in Fichtenwalde beigesetzt, wurden am 7. 2. 1952 hierher umgebettet.
Nun liegen sie also hier, auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof zwischen Hunderten gefallenen Soldaten, Zwangsarbeitern, in Deutschland geborenen und gestorbenen Kindern unter Kies, Betonplatten und dem Zeichen eines Sowjetsterns.
Man sollte die Spuren ihrer gewaltsam beendeten Leben suchen und die Bruchstücke von Erinnerung zusammentragen. Man sollte ihnen ein Zeichen setzen, das zu ihnen passt.
Die Stadt Beelitz hat nichts gegen Gedenkzeichen, im Gegenteil. Am Kirchplatz von Beelitz, neben der 1871 gepflanzten „Deutschen Eiche“ steht seit 1990 ein junger Baum, die „Einheitseiche“. Auf einem kleinen Gedenkstein ist zu lesen: „GEPFLANZT AM TAGE DER DEUTSCHEN EINHEIT / MIT DER HOFFNUNG AUF GEDEIHEN / AUCH FÜR UNSERE STADT BEELITZ / AM 3. 10. 1990“.
Dafür setzte man einen anderen Gedenkstein um auf den sowjetischen Soldatenfriedhof, in die Nähe des Grabs der jüdischen Mädchen. Vielleicht kann man auch sagen: er wurde entsorgt. Er stand jahrzehntelang in der Clara-Zetkin-Straße vor dem Finanzamt, ein behauener Naturstein, der den Häftlingswinkel zeigte und die Inschrift: „DIE TOTEN MAHNEN“.