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Mittwoch, Mai 10, 2006

Zwei Flugzeugabstürze bei Michendorf: Die Abschüsse während des Zweiten Weltkrieges sind jetzt aufgeklärt


Michendorf. Fast 57 Jahre sind seit dem Ende des II. Weltkriegs vergangen, und es wird immer schwieriger, verlässliche Angaben aus dieser Zeit zu erhalten. Dankenswerter Weise gibt es eine ganze Anzahl von „Hobby-Historikern“ in vielen Regionen der Bundesrepublik, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, unter anderem die Ereignisse des Luftkriegs zu erforschen. Noch gibt es viele, die ohne eine Gewissheit über das einstmalige Ende ihrer Verwandten leben müssen. Hat die Suche trotz aller Schwierigkeiten Erfolg, so bleibt wohl nur die Gewissheit als Lohn, wieder eines dieser Schicksale aufgeklärt zu haben. Erfahrungsgemäß ist aus vielen Chroniken der Dörfer und Städte wenig zu entnehmen, so auch in Michendorf, wie der PNN-Artikel „Das große Suchen“ vom 15. Januar 2002 verdeutlichte. Im Falle Michendorf gab es nicht nur einen, sondern zwei Abschüsse am 31.8./ 1.9.1943 sowie am 2./ 3. Januar 1944. Es waren keine USA-Bomber, wie angenommen, sondern zwei britische. Am 31.8./ 1.9.1943 erfolgte der zweite Großangriff auf Berlin. Alarmzeit: 23.30 - 3 Uhr. Der Anflug führte zunächst südlich an Berlin vorbei, der Abflug über Potsdam und auch Michendorf. Ein Nachtjäger schoss etwa fünf Minuten nach Verlassen des Zielgebietes die Short, „Stirling“ EE959 (BU-E) ab. Als im Rumpf Feuer ausbrach, gab der Pilot den Befehl zum Absprung. Während die Hauptteile des Bombers in den Lienewitz-See fielen, wurde der Leichnam des Feldwebels Butler 7 Kilometer entfernt bei Caputh entdeckt. Von der 7-köpfigen Besatzung überlebten nur drei. In dieser Nacht waren in England 331 „Lancaster“, 179 „Halifax“, 106 „Stirlings“ und 9 „Mosquitos“ gestartet . 20 „Halifax“, 17 „Stirling“ und 10 „Lancaster“ wurden abgeschossen. Die Großangriffe auf Berlin verstärkten sich ab November 1943. Es hatte sich erwiesen, dass die viermotorigen „Stirling“ und „Halifax“ den gestiegenen Anforderungen nicht mehr gewachsen waren, was vor allem Bombenmenge und Flughöhe betraf: Erstere wurde ab November, die „Halifax“ ab Februar 1944 nicht mehr nach Berlin eingesetzt. Eine „Lancaster“ stürzte in Michendorf bei einem Angriff vom 2./3. Januar 1944, Alarm: 2.00 bis 3.24 Uhr, ab. 383 Maschinen, davon 362 Lancaster, neun „Halifax“ und zwölf „Mosquitos“, wurden eingesetzt. Der Anflug erfolgte zum Müritz-See, von dort aus in Richtung Berlin, der Abflug südlich Berlin Richtung Hannover. Beim Abflug wurde die „Lancaster“ III DV 269 (SR-M) der 101. Squadron, die zu den AEC-Maschinen mit Sonderauftrag (Störsender usw.) gehörte und deshalb nicht sieben, sondern acht Besatzungsmitglieder hatte, abgeschossen und zerschellte in Michendorf. Der im PNN-Artikel angeführte Feldwebel C.D. Brown wird als „offenbar an einer anderen Stelle beerdigt“ angeführt, wurde aber später zu den anderen drei zum Gefallenen-Friedhof Heerstraße überführt. Brown war das zusätzlich mitgeführte Besatzungsmitglied der „Lancaster“. Weil ihre Bedeutung schnell erkannt wurde, erhielt die in Michendorf abgestürzte Maschine entsprechende Bewachung. Wenn der Absturz einer weiteren Maschine laut Zeugenaussage im Sommer 1944 erfolgte, so dürfte es sich hierbei um eine deutsche Me 109 handeln. Es gibt spezielle Literatur zu den Verlusten der Royal Air Force, in der die Ereignisse Nacht, für Nacht aufgelistet sind. Die beiden angeführten Fälle von Michendorf gehören zu den inzwischen aufgeklärten, aber bei vielen der Maschinen mit den aufgeführten Besatzungsmitgliedern findet man immer wieder den traurigen Vermerk „spurlos verschwunden“, „über dem Zielgebiet, abgeschossen“ oder andere vage Vermerke, obwohl inzwischen fast 57 Jahre seit den Ereignissen vergangen sind.

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